VORWORT
In diesem Buch werden in zahlreichen Bildern Einblicke geboten, die neu oder zumindest nicht allgemein bekannt sind. Dabei ist der Blick vorwiegend auf die mythologische Landschaft gerichtet, auf das Numinose in unserer heimatlichen Welt. Im Mittelpunkt stehen die heilig-geheimnisvollen Orte als Quellen der Kraft. Es ist nicht näher bekannt, wer den Ausdruck »Orte der Kraft« zuerst gebraucht hat. In der Bezeichnung schwingt etwas Geheimnisvolles mit, das bei vielen Menschen auch den Zweifel nährt, ob es denn das überhaupt gibt, dass an bestimmten Plätzen der Erde gute oder schlechte Kräfte walten und wirken können. Die Kultur- und Religionsgeschichte lehrt uns aber, dass fast alle Religionen heilige Orte kennen, diese Plätze, seien es nun Berge, Steine, Höhlen, Quellen oder Bäume, als Natursymbole verehren oder mit Bauten als Kultplätze kennzeichnen. Vieles, was uns zwar alltäglich begegnet, bekannt und vertraut scheint, erweist sich bei näherem Hinsehen als gar nicht so eindeutig und geklärt, sondern gibt uns Rätsel auf, wird geheimnisvoll. Das Vorliegende ist nun ein Streifzug durch unser Land, wobei es ja links und rechts dieses Weges und allenthalben noch vieles und auch Wichtigeres gibt, das hier weder abgebildet noch mit einem Wort erwähnt ist.
Für Hinweise und auch die Erlaubnis, Fotoaufnahmen zu machen und diese hier zu veröffentlichen, wird ausdrücklich, wenn auch ohne Namensnennung, gedankt.
Vor allem möchte das Buch darauf verweisen, dass hinter vielen äußeren Erscheinungsformen ein tieferer Sinn verborgen liegt. Es geht nicht um das »Ent-Decken«, sondern höchstens darum, hinter den Schleiern etwas von diesem tieferen Sinn zu erahnen. Es wird schwer sein, die Menschen von heute für diese Sicht zu gewinnen. Diese oft überhebliche moderne Denkweise beklagte schon Rainer Maria Rilke vor hundert Jahren: »Sie wissen alles, was wird und was war. Kein Berg ist ihnen mehr wunderbar. Ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.« Der Hinweis auf mögliche Kultkontinuitäten und auf das Naturheilige, besonders bei den Bergheiligtümern und den Bergen, ist ein Anliegen dieses Buches.
Die Spur führt uns in ferne Vergangenheit zurück, in andere Glaubens- und Denkweisen und im Zeichen der in den Himmel ragenden Berge über die Berge hinaus.
Karl Gruber Hans Grießmair