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Vorwort Künstlerische Ausgestaltung von Gegenständen des täglichen Gebrauchs, Arbeit mit edlen Materialien und die Weiterführung technischer Fertigkeiten hin zu prächtiger Dekorwirkung, das sind Merkmale, die sich mit dem Begriff Kunsthandwerk (den es als solchen erst seit dem 19. Jahrhundert gibt) verbinden lassen. Kunsthandwerkliche Arbeit hat die Kulturgeschichte der Menschheit von Anfang an begleitet. Sie markiert mit ihren Erzeugnissen die Entwicklungen und die stilistischen und formalen Wege, den Glanz und den Niedergang von Kulturen oft deutlicher und früher, als es geschichtliche Zeugnisse vermögen. Wer sich mit Geräten und Gerätschaften und insgesamt mit Objekten, die bestimmten geforderten Funktionen und Nutzungen ihre Entstehung verdanken, befasst, und das vor dem Hintergrund ihres geschichtlichen Wandels in einem überschaubaren Raum tut, hat sich auf eine komplexe Themenstellung einzulassen. Sie gilt auch für das vorliegende dem Raum Tirol gewidmete Werk: Der Kunsthistoriker freut sich an der Vielzahl der Erfindungen und Formen, die er als getreuem Spiegelbild allgemeiner Entwicklungen in Kunst und Kultur in den Hervorbringungen der Kunsthandwerker vorfindet, der Historiker wieder trifft auf manch unerwartetes Zeugnis für bestimmte Ereignisse und Personen durch Stifterinschriften, Wappen und Bildnisse, und ähnliches Interesse hat den Bedingungen der Arbeit selbst zu gelten, den Abhängigkeiten von lokalen Faktoren in Bezug auf die Materialwahl oder Gerätetypen - man denke an die große Rolle, die die Heizungstechnik in den nördlichen Gegenden spielte, oder an den Umgang mit Holz als dem nächstliegenden Bau- und Werkstoff im ganzen Alpenraum. Künstlerische und damit auch kunsthandwerkliche Arbeit war immer auch das Ergebnis von Informationen; die Frage, woher Ideen und in unserem Fall auch technische Know-hows gekommen sind, stellt sich ebenso wie damit gleichzeitig die Ambitionen und das kulturelle Potenzial der Auftraggeber ins Blickfeld rücken. Dem Wandel der gesellschaftlichen Strukturen und auch den wirtschaftlichen Bedingungen entsprechend, tritt neben Landesfürstentum und Adel ab dem späteren Mittelalter das Bürgertum mit wachsenden Wünschen nach anspruchsvoller Gestaltung des eigenen Lebensraumes. Die Kirche bleibt durch die Jahrhunderte hindurch dem Kunsthandwerk eng verbunden. Der Bedarf an für die Liturgie notwendigen Gegenständen, vom Altargerät bis zu den Paramenten und dem Kirchenmobiliar, garantierte hier fast gleichbleibende gute Auftragslagen für die verschiedenen Berufszweige. Aus dem hohen Gebrauchswert ergaben sich auch ständig neue Zuwächse, weil ältere Bestände schadhaft geworden waren, und natürlich spielten auch immer Mode und Zeitgeschmack eine Rolle. Den größten Aderlass, den die kirchlichen Kleinkunstwerke, wenn man sie so nennen will, erfahren haben, brachten in unserem Bereich die josephinischen Reformen mit den Klosteraufhebungen mit sich. Noch heute ist erschütternd, welchen Reichtum die damals erstellten Inventare dokumentieren und wie verständnislos und von fiskalischen Interessen geleitet (einschmelzen fast aller Silber- und Goldgeräte) hier ein veritabler Vernichtungsprozess vor sich ging. Quasi eine Antwort darauf war die große Anschaffungswelle an Kirchengerät und Kircheneinrichtungen, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die große Zahl der Bauten des Historismus und der Nazarenerkunst begleitete. Schöpferische, persönliche Handwerksleistungen sind mit dem Begriff des Meisterlichen eng verbunden. Durchgeistigte Präzisionsarbeit und hochentwickelte Materialbereitung, die uns in Spitzenwerken - auch in unserem Rahmen - begegnen, lassen sich vor allem in den früheren Jahrhunderten nur selten mit bestimmten Namen in Verbindung bringen. "Alles Meister" schien daher der richtige Titel, um diese Urheberfragen, die sich immer stellen werden und auch mit dem Hinweis auf zweifellos vorhandene Teamarbeit und dem Zusammenwirken verschiedener Werkstätten nicht zu beantworten sind, ein wenig zu entkräften und den vielen unbekannten Namen Reverenz zu erweisen. Die Meister des Wiltener Kelches und der unvergleichlichen Kassiansbüste aus Dreikirchen, der Schnitzer/Bildhauer, der den Sakristeischrank aus Kloster Neustift schuf, der Kunstschlosser, der mit dem Waldaufgitter in der Haller Pfarrkirche beauftragt war, und der Paramentensticker oder die Stickerin des Festornates, der einst für die Wallfahrtskirche in Maria Waldrast gearbeitet wurde, sind zweifellos in die große Reihe genialer künstlerischer Begabungen zu stellen, die im Lauf der Jahrhunderte in Tirol beheimatet waren oder hier gearbeitet haben. Dem schönen Thema habe ich mich mit großer Freude gewidmet und danke der Verlagsanstalt Athesia, dass sie es möglich gemacht hat, die Beiträge, die ich für das Werk "Geschichte der Kunst in Tirol" geschrieben hatte, zu einem eigenen Buch auszuweiten und als reichausgestatteten Bildband anzubieten. Verlagsleiter Dr. Alfons Gruber war dabei wie stets ein zuvorkommender Partner, für Zusammenarbeit vor allem bei der Bildbeschaffung danke ich dem Tiroler Landesmuseum, den beiden Denkmalämtern, dem Diözesanmuseum Brixen und dem Tiroler Kunstkataster. Wie immer war die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums unerlässliche Arbeitsstelle für die notwendigen Recherchen. Mediendesigner Karl Müssigang von der Firma Athesia Laserpoint danke ich für seine Geduld und sein großes Können bei der Layouterstellung. Reichtum und Vielfalt tirolischen Kunsthandwerks repräsentativ vorzuführen, ist Absicht des Buches, möge es gute Aufnahme finden. Magdalena Hörmann Innsbruck, Oktober 2006 Die Handwerkskunst, die Kunst der Meister, deren Aufgabe die Herstellung von Gegenständen für den Gebrauch, mit bestimmten Funktionen und Materialien war, hatte durch die Jahrhunderte hindurch in Tirol einen besonders hohen Stellenwert. Bedeutende Leistungen in allen Bereichen des künstlerischen Umgangs mit den verschiedenen Werkstoffen wurden erbracht. Auf dem Boden soliden Handwerks entstanden großartige Beispiele künstlerisch gestalteter Objekte und Einrichtungen, Kann man bei den Goldschmiedearbeiten von einer wahren Schatzkunst sprechen, deren Zeugnisse sich vor allem in den Kirchen und Klöstern erhalten haben, so gibt es mit den gotischen Stuben und Möbeln, den Prunkdecken der Renaissance und dem vielfältigen Kirchenmobiliar des Barock und auch noch der Neugotik eindrucksvolle Heispiele hochstellender Tischlerarbeit im ganzen Raum des historischen Tirol. Diese Holzkunst stellt wohl ein Herzstück des Tiroler Kunsthandwerks dar. Wie handwerkliche Raffinesse der Ausführung mit ornamentaler Erfindungsgäbe aus dem Geist der Zeit zu glänzenden Schöpfungen geführt wurden, zeigen unvergleichliche Einrichtungen wie in den spätgotischen Räumen der Burgen Keilen stein und Tratzberg oder als Höhepunkte der Renaissance Intarsienkunst die Ausstattung der Schlösser Ambras und Velthurns sowie der Innsbrucker Hofkirche. Auch Meister des Eisengusses und der Schlosserkunst sind mit Hauptwerken ihrer Zunft in Tirol vertreten. Prunkvolle Cutter gehörten zur Ausstattung kirchlicher und profaner Bauten von der Spätgotik bis zum reichen 18. Jahrhundert. Das um 1500 entstandene Gitter der Haller Waldaufkapelle, das Prunkgitter am Grabmal Kaiser Maximilians l. in der Innsbrucker Hofkirche und die Gitter der Schlosser Bachnetzer und Neurauter in Stift Stams dokumentieren beispielhaft diese grandiose Entwicklung. Umfänglich ist der Bestand an wertvollen Textilien mit Schwerpunkt auf Messkleidern des 17. und 18. Jahrhunderts. Allein die Stiftungen der Kaiserin Maria Theresias für die Stifte Wilten, Stams, die Innsbrucker Hofkirche und d en Brixner D om usw. machen eine eindrucksvolle Gruppe aus. Einen eigenen großen Werkbestand stellen die vielen zum Teil und vor allem in Südtirol noch an Ort und Stelle erhaltenen Majolika- und Fayenceöfen in ihrer reichen Entwicklung durch die Jahrhunderte dar . Eine hochstehende Keramikproduktion gab es zuletzt noch mit den Erzeugnissen der so genannten Schwazer Majolika, die bis zum Art deco reichte. Her Reichtum und die Vielfalt des tirolischen Kunsthandwerks verdienen - nach den grundlegenden Forschungen von Josef Ringler und Erich Egg und zuletzt von Leo Andergassen schon längst eine zusammenfassende Darstellung, Sie soll in der Form eines repräsentativen Bildbandes mit dem vorliegenden Werk erbracht werden Ziel d es buches ist es, mit Einleitungstexten zu den einzelnen Zeitabschnitten und mit einer gezielten Auswahl von Objekten und deren Beschreibung die ganze reiche Entwicklung gültig zu dokumentieren und ein auch wissenschaftlich gut fundiertes Werk zu schaffen, das dem schönen Thema der angewandten Künste im G esamttiroler Rahmen gerecht wird.
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